Die Geburt des Jesuskindes - nach den Visionen der Anna Katharina Emmerich
Maria sagte ihm, dass in der kommenden Nacht die Stunde der Geburt ihres Kindes eintrete. Es seien dann neun Monate, dass sie vom Heiligen Geiste empfangen habe.
Sie bat ihn, von seiner Seite alles zu tun, damit sie das von Gott verheißene, übernatürlich empfangene Kind so gut auf Erden ehrten, als sie vermöchten. Er möge auch mit ihr sein Gebet für die Hartherzigen vereinigen, welche ihm keine Herberge hatten gewähren wollen.
Joseph bot sich Maria an, ihr einige fromme Frauen aus Bethlehem zum Beistand zu holen, die er kenne. Aber Maria nahm es nicht an und erklärte, dass sie niemanden bedürfe.
Es war fünf Uhr abends, als Joseph die heilige Jungfrau wieder in die Krippenhöhle zurückbrachte. Hier hängte er noch mehrere Lampen auf. Auch versorgte er unter dem Obdach vor der Tür die freudig aus dem Feld herbeigeeilte Eselin.
Als Maria ihm sagte, es nahe ihre Zeit, er möge sich ins Gebet begeben, verließ er sie und ging nach seinem Schlafraum zurück, um zu beten. Er sah noch einmal, ehe er in sein Kämmerchen eintrat, nach dem Hintergrund der Höhle zurück, wo Maria ihm den Rücken kehrend knieend auf ihrem Lager betete, das Angesicht nach Morgen gewendet.
Er sah die Höhle voll Licht, es war Maria ganz wie von Flammen umgeben.
Es war, als sähe er wie Moses in den brennenden Dornbusch hinein.
Er sank aber betend auf sein Angesicht und sah nicht mehr zurück.
Ich sah den Glanz um Maria immer größer werden. Die Lichter, welche Joseph angesteckt hatte, waren nicht mehr zu sehen. Sie kniete in einem weiten, weißen Gewand, das vor ihr ausgebreitet war. In der zwölften Stunde war sie im Gebet entzückt.
Ich sah sie von der Erde empor gehoben, dass man den Boden unter ihr sah. Sie hatte die Hände auf der Brust gekreuzt. Der Glanz um sie vermehrte sich. Ich sah die Decke der Höhle nicht mehr. Es war wie eine Straße von Licht über ihr bis zum Himmel empor, in der ein Licht das andere und eine Gestalt die andere durchdrang und Lichtkreise in himmlische Gestalten übergingen. Maria betete aber nieder zur Erde schauend.
Da gebar sie das Jesuskind. Ich sah es wie ein leuchtendes, ganz kleines Kind, das heller war, als der übrige Glanz, auf der Decke vor ihren Knien liegend. Es war mir, als sei es ganz klein und werde vor meinen Augen größer. Es war aber dieses alles eine blosse Bewegung in so großem Glanz, dass ich nicht weiß, ob ich wie ich das sah. Selbst die tote Natur war in innerer Bewegung.
Die Steine des Bodens und der Wände der Krippenhöhle waren wie lebendig.
Maria war noch eine Zeit lang so entzückt ich sah sie ein Tuch über das Kind legen und es noch nicht aufnehmen, noch anfassen. Nach einer geraumen Zeit sah ich das Kind sich regen und hörte es weinen. Maria war, als komme sie zu sich. Sie nahm das Kind, mit dem Tuch einhüllend, das sie auf dasselbe gedeckt, an die Brust und saß verschleiert ganz mit dem Kinde eingehüllt und ich glaube, sie säugte es ich sah ganz menschlich gestaltete Engel um sie her auf dem Angesicht liegen. Es mochte wohl eine Stunde nach der Geburt sein, als Maria den heiligen Joseph rief, der noch immer im Gebet lag.
Als er ihr nahte, warf er sich in Andacht, Freude und Demut kniend auf sein Angesicht und Maria bat ihn nochmals, er solle das heilige Geschenk des Himmels ansehen. Da nahm er das Kind auf seine Arme. Die heilige Jungfrau wickelte nun das Jesuskind in eine rote und darüber in eine weiße Hülle bis unter die Ärmchen und nach oben in ein anderes Tüchlein. Sie hatte nur vier Windeln bei sich. Sie legte es hierauf in die Krippe, welche mit Binsen und anderen feinen Pflanzen gefüllt und worüber eine Decke an den Seiten überhängend gebreitet war. Die Krippe stand über dem Steintrog, da ebener Erde lag rechts, vom Gang in die Höhle, da, wo sie einen weiteren Ausbug gegen Mittag machte. Der Grund dieses Teiles der Höhle lag mit stufenförmig sich abschieferndem Boden etwas tiefer, als der andere Teil, wo das Kind geboren worden war. Als sie das Kind in die Krippe gelegt, standen sie beide weinend und lobsingend dabei.
Die heilige Jungfrau hatte ihr Lager und ihren Sitz neben der Krippe. Ich sah sie aufrecht sitzen und auch an der Seite liegen in den ersten Tagen. Doch sah ich sie auf keine Art besonders krank oder erschöpft. Sie war vor und nach der Geburt ganz weiß gekleidet. Wenn Leute zu ihr kamen, saß sie meist neben der Krippe und war mehr eingewickelt.
Es entsprang in der Nacht der Geburtsstunde eine schöne Quelle in der anderen, rechts gelegenen Höhle, welche herauslief und welcher Joseph am folgenden Tag einen Lauf und Brunnen grub.
Ich habe zwar in diesen Gesichten, welche das Ereignis selber und nicht die kirchliche Festfeier zum Gegenstand hatten, keine solche schimmernde Freudigkeit in der Natur gesehen, wie ich es sonst in der heiligen Weihnacht sehe, wo diese Lust eine innere Bedeutung hat. Aber ich sah doch eine ungewohnte Freude und an vielen Orten bis in die fernsten Gegenden der Welt etwas Ungewöhnliches in der Mitternacht das viele gute Menschen mit freudiger Sehnsucht und böse mit Angst erfüllte.
Auch sah ich viele Tiere freudig bewegt, viele Quellen entspringen und anschwellen, an vielen Orten sich Blumen erheben, Kräuter und Bäume wie Erquickung schöpfen und duften. In Bethlehem war es trübe und am Himmel ein trübes rötliches Licht. Auf dem Tal der Hirten aber, um die Krippe und in dem Tal der Säughöhle lag ein erquickender, glänzender Taunebel.
Ich sah die Herden bei dem Hügel der drei Hirten-Ältesten unter Schuppen, an dem ferneren Turm der Hirten aber teilweise noch unter freiem Himmel.
Ich sah die drei Hirten-Ältesten von der wunderbaren Nacht bewegt zusammen vor ihrer Hütte stehen und umherschauen und einen herrlichen Glanz über der Krippe erblicken. Auch die Hirten bei dem entfernteren Turm waren in voller Bewegung. Sie waren auf das Turmgerüst gestiegen und sahen nach der Krippe hin, über welcher sie einen Glanz bemerkten. Ich sah, wie eine Lichtwolke zu den drei Hirten niederkam. Ich bemerkte in derselben auch ein Übergehen und Verwandeln in Formen und hörte die Annäherung eines süßen, lauten und doch leisen Gesangs. Die Hirten erschraken anfangs. Aber es standen bald fünf oder sieben leuchtende liebliche Gestalten vor ihnen, welche ein großes Band wie einen Zettel in den Händen trugen, worauf Worte mit handlangen Buchstaben geschrieben waren. Die Engel sangen das Gloria.
Denen am Turm erschienen sie auch und ich weiß nicht mehr wo sonst. Die Hirten sah ich nicht augenblicklich zur Krippe eilen, wohin die drei ersten wohl eine und eine halbe Stunde hatten die am Turm der Hirten wohl noch einmal so weit. Aber ich sah sie sogleich bedenken, was sie dem neugebornen Heiland zum Geschenk mitbringen wollten so schnell als möglich diese Geschenke zusammen suchen. Die drei Hirten kamen schon am frühen Morgen zur Krippe.