RupertvonSalzburg

Predigt von Pfarrer Maximilian Pühringer zur Fatimafeier am13. Juni 2026

Predigt Fatimafeier – Herz Mariä Fest, 13.6.2026​
Perikopen: Jes 61,9-11​Lk 2,41-51
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Die Herz Mariä Verehrung ist in der Frömmigkeitsgeschichte der Kirche relativ Jung. Besonders durch Marienerscheinungen von Fatima hat sie Impulse bekommen. Maria hat selber gesagt: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“ Im Jahr 1942 hat Papst Pius XII. während der Schrecknisse des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust die Welt dem Herzen Mariens geweiht und anvertraut. Im Jahr 1944 hat er das Herz Mariä Fest für die ganze Kirche eingeführt. Anfangs wurde es am 22. August, am Oktavtag von Mariä Himmelfahrt gefeiert. Die Kalenderreform des Vatikanum II. hat es sehr sinnvoll auf den Tag nach dem Herz-Jesu-Fest gelegt. Gestern feierten wir das göttliche Herz Christi, heute das menschliche Herz seiner Mutter Maria. Drei Gedanken dazu. Erstens: Herz meint den ganzen Menschen. Wenn die Bibel vom Herz spricht, dann meint es nicht das Organ, die Pumpe für das Blut, wir haben leider keine andere Darstellungsform, dann geht es um den ganzen Menschen. Es ist Symbol für die Menschen in seiner Gesamtheit. Im Blick auf das Herz Mariens fragen wir einfach: Was war sie für ein Mensch? Was hatte sie für ein Herz? Können wir da etwas nachahmen? Ich denke die Präfation des heutigen Festes beschreibt uns das Herz Mariens gut, mit einer Reihe von schönen Adjektiven. Das dürfen wir in unser Herz hineinklingen lassen. Es heißt dort: „denn du hast der seligen Jungfrau Maria ein kluges und verständiges Herz geschenkt, bereit auf dich zu hören und deinen Weisungen in allem zu folgen; in neues und mildes Herz, in das du selbst das Gesetz des Neuen Bundes (die Liebe) geschrieben hast; ein schlichtes und reines Herz, mit dem sie als Jungfrau deinen Sohn empfing und mit dem sie dich schauen darf in ewiger Freude; ein waches und Starkes Her, welches das Schwert des Leidens ertrug und die Auferstehung des Sohnes gläubig erwartete.“ So war das Herz Mariens. Und da lässt sich das heutige Fest mit dem gestrigen verbinden. In der Herz-Jesu-Litanei heißt es am Ende: „Jesus, sanft und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach deinem Herzen.“ Genau das hat der Herr an der Gottesmutter verwirklicht. Ihr Herz war perfekt nach dem Herzen Gottes gebildet. Wir sind freilich nicht perfekt, aber es bleibt unsere Aufgabe auch unsere Herzen nach dem Herzen Gottes zu bilden, damit wir ein Herz haben, wie Maria. Damit wir uns einfach bemühen nah und nach zu wandeln und andere Menschen zu werden. Zweitens: „Im Herzen bewahren.“ Dreimal berichtet uns das Evangelium, das Maria die Ereignisse, Erfahrungen und Erlebnisse mit ihrem Sohn im Herzen bewahrt hat, besonders auch das Schwierige, was sie nicht verstanden, oder nicht gleich verstanden hat. Im Herzen bewahren. In der lateinischen Sprache heißt es: „Conferrens in corde.“ Conferrens, davon kommt unser geläufiges Wort Konferenz. Und wenn wir das weiterdenken, dann ist es eben eine Herzenskonferenz. Maria hat also eine Herzenskonferenz gehalten. Das ist etwas Schönes. Könnten wir alle nicht auch immer wieder so eine Herzenskonferenz halten! Dass wir einfach unser Leben vor dem Herrn ausbreiten, das Gute und das weniger Gute. Dass wir uns im Herzen einfach immer wieder fragen: Gott, wo möchtest du mich haben? Wie möchtest du mich haben? Was ist dein Wille für mein Leben? Eine Herzenskonferenz hilft uns hoffentlich, dass immer wieder Friede im Herzen einzieht. Wie oft kommt uns der Friede in unserem Herzen abhanden? Im Herzen Mariens war der Friede Gottes daheim, es war ganz von Frieden erfüllt. Und so dürfen wir heute, wenn wir uns bei dieser Fatimafeier Maria anvertrauen, das dieser Friede durch uns hineinstrahlen kann in Kirche und Welt, dort, wo der Herr uns hingestellt hat. „Im Herzen bewahren, eine Herzenskonferenz halten.“ Das sollten wir jeden Tag tun. Maria hilft uns dabei. Drittens: Wir vertrauen uns Maria an, wir weihen uns ihr. Wenn wir das tun, dann tun wir eigentlich nichts anderes als unser JA-Wort zu sagen. Und da können wir uns ganz einfach an ihrem Ja Wort orientieren, das sie vor 2000 Jahren gesprochen hat, als der Engel mit der Botschaft vom Heil an die Türe ihres Herzens klopfte. Wir vertrauen uns ihr an und sagen neu Ja zu unserer Taufe. Wir wollen neu Ja sagen zu Gott. Wir wollen den Ruf Gottes hören, darauf antworten und ihm folgen.“ So können wir immer mehr Liebende werden. Wir müssen aber auch immer wieder Nein sagen zu den Götzen in unserem Leben, zu dem, was schädlich und unmenschlich ist. Die Geister unterscheiden und sich ganz bewusst entscheiden. Es geht im Glauben immer um unsere persönliche Entscheidung. Die kann uns niemand abnehmen. Wenn wir uns Maria anvertrauen, dann sagen wir auch Ja zur Gnade Gottes. Die Gnade Gottes spielte im Leben Marien eine so große Rolle. Die Gnade ist ein Geschenk, nicht käuflich, und von allen materiellen Dingen verschieden. Die Gnade Gottes ist nicht messbar, prüfbar, bezahlbar. Sie ist nur erfahrbar im tiefsten Inneren unserer Seele. Unser deutsches Wort Gnade kommt von der lateinischen Sprache von gratia. Davon kommt unser Wort gratis. Es scheint uns heute alles begehrenswert was gratis ist. Sonderangebote und Vergünstigungen haben wir gern. Aber, und das halte ich für wesentlich, und ich lade uns es ernsthaft zu bedenken, wie geht es uns mit dem Glauben an der Reichtum der Gnade Gottes? Haben wir diesen Glauben? Haben wir ihn nicht fast verloren? Unsere Leistungsgesellschaft macht es uns auch nicht unbedingt leicht an den Vorrang der Gnade zu glauben. Wir können uns ja alles selber machen, gebärden uns mitunter als Herren über Leben und Tod. Wir brauchen neu den Reichtum an die Gnade Gottes. Es geht um die „eine kostbare Perle“ im Evangelium, für die ein Mann alles verkauft um sie zu besitzen. Früher oder später wird selbst unsere Leistungsgesellschaft feststellen, dass wir uns trotz bester Technik, das Glück auf Erden nicht machen oder herbeireden können. Das alte Sprichwort „an Gottes Segen ist alles gelegen“ bleibt gültig. Das Leben ist Geschenk, und vieles, das Meiste im Leben, bleibt Geschenk, verdanken wir seiner Gnade. Die eigentlich großen Geschenke sind bereits auf der rein menschlichen Ebene nicht kaufbar, wie Liebe, Zuneigung, Vertrauen und Freundschaft. Doch auch das größte Geschenk Gottes, seine Gnade, bleibt immer ein Angebot, welches wir annehmen, aber auch zurückweisen können. So lädt uns das heutige Fest ein über die Gnade Gottes nachzudenken, die Maria im Hinblick auf die Geburt Jesu, besonders geschenkt wurde. In Marias Leben hatte die Gnade Vorrang und sie hat dazu ja gesagt. Gott füllt seine Gnade in leere, freie Gefäße. Das heißt wir müssen uns immer mehr loslösen von unseren Habenwollen um seiner Gnade in unserem Inneren Raum zu schaffen. Und schließlich bedeutet, wenn wir uns Maria anvertrauen immer auch Ja sagen zum Kreuz. „Deine Seele wird ein Schwert durchbohren,“ hat ihr der greise Simeon vorausgesagt. Unter dem Kreuz hat sie das wohl zutiefst und am bittersten erfahren. Es gibt das Kreuz in jedem Leben, die Brüche in unseren Lebensgeschichten, denken wir hier an die heilige Anna Schäffer. Madleine Debrel hat es einmal schön erklärt. Sie sagt: „Das Evangelium als Ganzes ist für die Liebe da; aber ohne das Kreuz, das der Name Jesu selber einschließt, blieben wir der Liebe gegenüber das, was ihr am widersprüchlichsten ist: Fremde.“ Echte Liebe kommt nicht ohne Kreuz aus, wen man liebt, den kann man auch leiden.
Liebe Brüder und Schwestern!
Vom Herzen Mariens geht so viel aus. Wir sehen sehe als Menschen, wie sie war, als einen gottvollen Menschen. Wir dürfen wie sie im Herzen bewahren, eine Herzenskonferenz halten um mehr den inneren Frieden zu finden. Und wir dürfen uns ihr immer wieder anvertrauen, in dem wir Ja sagen zu unserer Taufe, zur Gnade Gottes und zum Kreuz. „Unbeflecktes Herz Marien, sei unsere Rettung. Heilige Mutter Gottes von Fatima, bitte für uns.“ Amen.
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