Aquila

28. Mai: Seliger Stefan Wyszyński


Gar mancher Heiliger war in der Kindheit ein „Lausbub”.
(Ob es auch „Lausmädchen” gibt?...) Was den seligen Stefan Wyszyński betrifft, so berichtete einer seiner ehemaligen Schulkameraden: „Stefan war nicht gleich so heilig! Er zog die Mädchen gerne an den Haaren. Und wenn wir keinen Test wollten, gossen wir
[nämlich er, Stefan und andere Schulkameraden] die Tinte aus den Tintenfässern oder stopften sie mit Löschpapier aus.” Dazu muss man wissen, dass die Schüler dort damals weder Füllfedern noch Kugelschreiber hatten. In der Mitte jeder Schulbank befand sich ein Tintenfass, das die Schüler benutzten. Wenn nun keine Tinte mehr drin war, konnte man auch keinen Test schreiben...

Von den schulischen Fächern mochte Stefan am wenigsten die Naturwissenschaften, am allerwenigsten Mathematik. Zu Hause spielte er am liebsten mit seinen Schwestern. Während eines Spieles passierte es einmal, dass er sich so aufregte, dass er die Stoffpuppen der Schwestern zerriss und im Ofen verbrannte. Als ihn sein Vater dafür bestrafen wollte, versteckte er sich unter dem Klavier. Ja, und interessant: Seine Schwestern verteidigten Stefan und sagten: „Er wird sich bessern, er wird sich bekehren.”
Später dann (Stefan wurde Priester, dann Bischof und Kardinal) sagte er einmal scherzend in einer Predigt: „Wie Sie sehen, bin ich bekehrt.”

Ein schwerer Schlag war für Stefan der frühe Tod seiner Mutter, die 1910 mit nur 33 Jahren verstarb. Stefan war zu dieser Zeit erst 9 Jahre alt. 70 Jahre später schrieb er anlässlich ihres 70. Todestages: „Himmlischer Vater, Du hast uns, den Kindern, die Mutter Julianna genommen, und wir sind zu Waisenkindern geworden. Wir wissen, dass Du alles aus Liebe tust. Aber die Beziehung zur Mutter, die Du schenkst, ist so stark, dass es schwer zu verstehen ist, dass die Liebe Gottes diese mütterliche Liebe wegnehmen kann. Es geschehe Dein Wille!” Erschütternde, ehrliche Worte eines Seligen, der seine Mutter sehr liebte und unter dem Verlust sehr litt. So wie dem seligen Kardinal Stefan geht es vielen von uns: Nicht immer können wir Gott verstehen, aber es ist so wichtig, dass wir sagen: Guter Gott, ich will mich nicht gegen Dich auflehnen; Dein Wille ist immer gut. Und am Ende wird alles gut werden, wenn wir mit Dir verbunden bleiben!
Stefan spürte die Berufung, Priester zu werden. Wenige Wochen vor seiner Priesterweihe erkrankte er an Typhus und bekam dann auch noch Lungenentzündung. Im Marien-Wallfahrtsort Licheń, wo er sich gerne aufhielt, betete er innig, dass die Muttergottes ihm erlauben möge, in seinem Leben wenigstens e i n e Heilige Messe zu feiern. Dann wurde er geheilt, allerdings war er zunächst noch recht schwach.
In der Vorbereitung auf die Priesterweihe hatte er besondere Vorsätze niedergeschrieben. Ich greife nur einige heraus, Stefan richtete folgende Wort an sich selbst:

- Bete oft bei deiner Arbeit.
- Bringe jedem Achtung entgegen, denn du bist schlimmer als er. Gott widersteht den Stolzen.
- Ich werde Gottes Barmherzigkeit für immer loben.

Wäre es nicht auch für uns gut, diese Vorsätze zu fassen?

Die Weihe war für den 3. August 1924 in der MARIEN-Kapelle der Kathedrale von Włocławek geplant. Der 3. August war sein Geburtstag!
Als Stefan, sichtlich noch recht schwach, in die Kathedrale kam, sagte ein alter Sakristan zu ihm: „Mit einer solchen ‚Gesundheit‘ sollten Sie lieber zum Friedhof gehen, als sich weihen zu lassen!”
Gerade wegen seiner schwachen Gesundheit aber wurde die Erlaubnis erteilt, dass er schon mit 23 Jahren geweiht werden konnte. Geweiht wurde er vom kränkelnden Bischof Wojciech Owczarek
, der sich aus Schwäche kaum auf den Beinen halten konnte! Und als Stefan bei der Allerheiligenlitanei auf dem Boden lag (was ja zum Ritus der Priesterweihe dazugehört), hatte er Angst vor dem Aufstehen; so schwach war er noch.

Und aus diesem zunächst körperlich noch so schwachen jungen Priester wurde immer mehr ein fester Leuchtturm für viele Gläubige!
Als die Nationalsozialisten einen großen Teil seines Heimatlandes Polen besetzt hielten, musste Stefan als Priester im Geheimen wirken, um nicht von ihnen verhaftet zu werden.
Wo überall und wie Stefan wirkte, darüber könnte man viel schreiben, aber dafür ist hier nicht genügend Platz. Hier nur ein paar weitere Ereignisse aus seinem Leben:
Am 25. März 1946 wurde er von Papst Pius XII. zum Bischof von Lublin ernannt; die Bischofsweihe empfing er am 12. Mai 1946. 1948 wurde er Erzbischof von Gniezno und Warschau, zugleich Primas von Polen. Primas ist ein Ehrentitel, der die besondere Bedeutung eines bestimmten Bischofs hervorhebt. Wegen seiner so großen Verehrung der Muttergottes wurde er oft „Marien-Primas” genannt. Am 12. Jänner 1953 wurde er zum Kardinal ernannt. Unter der gottlosen kommunistischen Regierung wurde er vom 25. September 1953 bis zum 26. Oktober 1956 inhaftiert. Kardinal Stefan hatte auch eine große Verehrung für die Heiligen.
35 Jahre lang hat Stefan als Bischof gewirkt, und man muss sagen, dass es eine schwere Zeit für ihn war, allein schon deswegen, weil in all diesen Jahren Kommunisten das Land beherrschten und der Kirche große Schwierigkeiten bereiteten. Aber Gott gab ihm die Kraft, mutig den Glauben zu verteidigen, für Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten und sich nicht von gottlosen Herrschern biegen und entmutigen zu lassen! So war das Beispiel seines Gottvertrauens, seiner großen Liebe zur himmlischen Mutter und Königin und seine Standhaftigkeit ein Vorbild und eine Hilfe für das gläubige Volk!
Gut vorbereitet starb Kardinal Stefan am 28. Mai 1981. Am 31. Mai fand die Beerdigung statt.

Das erste Wunder auf die Fürsprache des verstorbenen Kardinals Stefan Wyszyński geschah schon am Tag seiner Beerdigung, am 31. Mai 1981: Acht Tage vor seinem Tod hatte sich ein 1-jähriges Mädchen eine so schwere Verbrennung zugezogen, dass die Ärzte dem Kind keine Überlebens-Chance gaben. Die Lage schien aussichtslos. Das teilte man auch der Mutter des Mädchens mit. Man kann sich kaum vorstellen, wie es ihr zumute war. Aber sie gab die Hoffnung auf die Hilfe Gottes nicht auf. Als im Fernsehen gerade die Begräbnisfeier des verstorbenen Kardinals Stefan übertragen wurde, bat sie mit letzter Kraft den Verstorbenen um seine Fürsprache, dass das Leben ihrer kleinen Tochter gerettet werde.
Am nächsten Tag - also am 1. Juni 1981 - ging die Mutter wieder ins Krankenhaus, um ihr Töchterchen zu besuchen. Zunächst ging sie aber zum Chefarzt. Und der hatte eine gewaltige Überraschung bereit: Er teilte der Mutter mit, dass ihre Tochter in zwei Tagen - am 3. Juni - aus dem Krankenhaus entlassen werden würde. Die Frau war fassungslos! Was hatte der Chefarzt gesagt? Hatte er vielleicht das Mädchen mit einem anderen Kind verwechselt? Oder wollte man das kleine Mädchen, weil man ihm medizinisch nicht mehr helfen konnte, rasch nach Hause schicken, damit es daheim sterben kann? Nein, nein, das Mädchen durfte nach Hause, weil es geheilt war! Wie groß war nun die Freude der Mutter, wie innig ihr Dank!
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Aquila

Am 12.9.2021 wurde er in Warschau seliggesprochen!

Ana W. Hwang

Seliggesprochen? wusste ich gar nicht. Danke für den Artikel.